Ergebnisse
Die ibika-Projektgruppe hat im Rahmen der Lernpartnerschaft ein Pilotprojekt mit dem Titel „Biographie und Migration“ durchgeführt. In Ergänzung zu der berufsbegleitenden Fortbildung „Pädagogische Biographiearbeit“ wurde ein zusätzliches Modul zum Thema biographieorientierte Arbeit in der Migrationsgesellschaft entwickelt und in Teilen erprobt. Das Modul umfasst unterschiedliche didaktische Elemente, wozu auch drei biographische Übungen gehören, die an dieser Stelle einem interessierten Fachpublikum als Anregung für die eigene Arbeit zur Verfügung gestellt werden sollen. Die erste Übung wurde auch im Rahmen der Lernpartnerschaft erprobt und diskutiert.
Biographische Übung I: Am Familientisch
Diese Übung kann verwendet werden, um die Traditionen und Praktiken gemeinsamen Essens in der eigenen Familie zu reflektieren und diese Erfahrungen über generationale, soziale, kulturelle etc. Grenzen hinweg auszutauschen. Ähnlichkeiten und Unterschiede, die dabei entdeckt werden, sind oft überraschend und können genutzt werden, um übliche Stereotype zu hinterfragen.
Biographische Übung II: Spuren eigener Migrationsgeschichten
Im Mittelpunkt der Übung stehen Migrations- und Wanderungsgeschichten in der eigenen Familie (Eltern, Großeltern). Es kann sichtbar werden, dass Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Erfahrung, nicht notwendigerweise kultureller und/oder ethnischer Zugehörigkeit folgen.
Biographische Übung III: „Wie im richtigen Leben“ – Übung zur sozialen Positionierung
In dieser Übung geht es darum, auf der Grundlage kurzer (fiktionaler) biographischer Informationen über Personen soziale Positionen in der Gesellschaft und damit verbundene Möglichkeitsräume und soziale Beschränkungen zu veranschaulichen.
Wir weisen an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass der Einsatz solcher Methoden in Lerngruppen unterschiedlicher Art sehr voraussetzungsvoll ist. Deshalb halten wir es für problematisch, methodische Anleitungen ohne entsprechende einführende Erläuterungen und Reflexionshinweise zu veröffentlichen. Diese Einschätzung hat sich im Laufe der zweijährigen Arbeit in der Lernpartnerschaft weiter gefestigt, weil erneut deutlich geworden ist, dass es für die verantwortungsvolle Anleitung biographischer Übungen einer professionellen Grundlage und bestimmter Rahmenbedingungen bedarf. Dazu zählen beispielsweise die Freiwilligkeit der Teilnahme, die kritische Reflexion des institutionellen Kontextes sowie eigene Erfahrungen mit angeleiteter biographischer Selbstreflexion als Teilnehmerin oder Teilnehmer.
Der Arbeitsprozess der Lernpartnerschaft, die darin entwickelten Pilotprojekte und die gemeinsame Erprobung und Reflexion unterschiedlicher biographischer Übungen sind in einer Broschüre (in englischer Sprache) dokumentiert. Diese steht in elektronischer Form zur Verfügung und kann unter folgender Adresse angefordert werden: info@ibika.de
Wir sind an fachlichem Austausch über biographisches Arbeiten in pädagogischen Feldern interessiert und freuen uns deshalb über Rückmeldungen zu unserem Konzept, aber auch zu den einzelnen Übungen.

